Der Blaue Eisenhut & der 'Garten der Hekate'

Der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus)

(Synonym: Sturmhut, Odin's Helm, Wolfswurz, Blautod, Würgling, Apolloniakraut, Venuswagen, Isishut, uvm.)

 

Jahrelang zieht er mich schon in seinen Bann, der bei uns hier im Alpenraum sehr stark verbreitete Eisenhut in all seinen Arten (verbreitet sind hier auch noch der 'Gelbe' und der 'Bunte'). Die gesamte Pflanze an sich strahlt schon etwas sehr düster Anmutendes aus - kein Wunder ist sie doch laut der Signaturenlehre eine Pflanze des Saturn. Saturn herrscht über die meisten Giftpflanzen, und der Blaue Eisenhut ist als die giftigste Pflanze Europas so ziemlich das "Nonplusultra". Da der Eisenhut zu den beliebtesten Mordgiften zählte, wurde sein Besitz im alten Rom sogar verboten und mit der Todesstrafe geahndet. Sein verlässlich und schnell wirkendes Gift (der Hauptwirkstoff 'Aconitin') in allen Pflanzenteilen wurde ebenso gegen Raubtiere wie Wölfe verwendet - man findet den Eisenhut in vielen Werwolf-Mythen wieder.

Der Eisenhut zählt zu den vielen trancefördernden Bestandteilen der Hexen-Flugsalben, mit deren Hilfe man bestens die Schwelle in andere Welten zu übertreten vermochte. Die Dosis ist hierbei die große Kunst, denn so manch eine Reise missglückte und man kehrte niemals wieder zurück. Also bitte keinesfalls zum Nachmachen empfohlen - bewusstseinsverändernde Zustände kann man auch mit anderen Mitteln erreichen.

Und so soll der Eisenhut der Legende nach, wie viele andere Heil-, Gift- und Frauenkräuter, aus dem "Garten der Hekate" stammen. In der Unterwelt der Hekate lebt der ebenso gefürchtete drei-köpfige Hund Kerberos. Die griechische Argonautensage erzählt wie dieser Hund die zwei wichtigsten Hexenpflanzen der europäischen Geschichte geschaffen hat. Als nämlich der halbgöttliche Held Herakles/Herkules im Rahmen seiner zwölf Arbeiten in die Unterwelt hinabsteigen musste, brachte er den Kerberos erstmals ans Tageslicht. Der wütende Hund verspritzte zornig seinen Speichel und überall wo er die Erde benetzte, sprossen die ersten Bilsenkräuter und Akonite (die Eisenhutarten).
Nach Paracelsus soll die Bezeichnung 'Akoniten' übrigens von einem Dorf namens Akona im Gebiet der Mariandynen stammen - ein Gebiet an der Südküste des Schwarzen Meeres, dort wo auch all die Hekate-Mythen herrühren


Eine Poesie aus  ~ 270 v. Chr. (da war Hekate nur noch als der Archetyp der "dunklen Hexe" bekannt)
aus Theokrit's "Pharmakeutria" (dt. Die Hexe)
Mond, schein hell; leise will ich
für dich singen, Göttin, und für
Hekate in der Unterwelt - die
Hunde zittern vor ihr, wenn sie
über die Gräber der Toten und das
dunkle Blut kommt. Sei mir ge-
grüßt, Hekate, Grimmige, und
bleib bei mir bis zum Ende. Mach
diese Zaubermittel so wirksam wie
die der Kirke, der Medea und der
blonden Perimede.

Wer ist nun diese geheimnisvolle Hekate?

Ich habe sie in meinem Beitrag über die Tollkirsche mal erwähnt (hier könnt ihr davon lesen: klick).
Sie ist aber eben nicht nur die magiebewandte Schicksalsgöttin welche in einer dunklen Höhle hausen soll, als die sie heute bekannt ist. Sie ist nämlich noch so viel mehr. Der Hekatekult stammt aus einer Zeit vor den patriarchalen Religionen, vermutlich aus derselben Epoche wie auch die Figur der "Venus von Willendorf" datiert wird. Hekate ist also älter als all die "Götter" des Olymp (die entsprechen übrigens den germanischen Asen). Bevor sie also auf die rein dunkle Seite reduziert wurde, war sie als die große Erdmutter bekannt (die 'Terra Mater' lat. 'Mutter Erde', die Materie). Sie entspricht unserer alpenländischen Perchta, der Holle und der germanischen Wanengöttin Nertha (Nerthus/Njörunn/Jord). Bestimmt fragt ihr euch nun wer Nertha ist, denn man hört kaum von ihr da ihr Wesen verdrängt wurde. Nertha ist die gesichtslose Frau des obersten Wanengottes Njörd und die Mutter von Freya und Freyr (die Wanen sind die alten unsterblichen Götter). Außer dem Namen haben Hekate, Perchta & Nertha vieles gemeinsam, nämlich dass sie magisch bewandt sind, schicksalsbestimmend, sie sind Gestaltwandlerinnen, sowohl gut als auch böse, sowohl schön als auch hässlich - das wahre Gesicht blieb gern im Verborgenen mit einem Schleier verhüllt, denn in ihrem wahren Wesen sind sie allesamt unergründlich.

Nerthus auf ihrem Wagen, von Pollyanna Jones aus: “Gods of the Germanic Peoples”

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